Wöllersdorf - Das Dorf des Welan
Die Geschichte von Wöllersdorf reicht weit in die Vergangenheit zurück, wie zahlreiche Funde aus der näheren Umgebung bestätigen, die bereits Ende des 19. und im 20. Jahrhundert gemacht wurden.
Seit 2005 werden in Wöllersdorf selbst Ausgrabungen durchgeführt. Funde aus fast allen ur- und frühgeschichtlichen Perioden führten zur Entdeckung einer großen Siedlung am Ausgang des Piestingtales, die vom 6. vorchristlichen Jahrtausend an bis ins 1. Jahrtausend n. Chr. bestand.
Neben den Resten steinzeitlicher Holzgebäude des 6. und 5. vorchristlichen Jahrtausends wurden auch mehrere Brandgräber aus derselben Zeit entdeckt.
Zahlreiche Funde aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., darunter auch eine Körperbestattung mit Beigaben, vermitteln Bestand und Untergang der nachfolgenden Siedlung.
Ebenso ließ sich die Siedlungstätigkeit der Bronze- und älteren Eisenzeit anhand von Hausgrundrissen und Hausrat nachvollziehen.
Dieses prähistorische Siedlungsgebiet wurde im 1. Jahrtausend v. Chr., in der jüngeren Eisenzeit, teilweise als Friedhofsareal genutzt. Während mehrerer Grabungskampagnen konnten Teile des großen frühlatènezeitlichen Hügelgräberfeldes erfasst und dokumentiert werden, darunter auch eine Kultgrube mit Steinstele, eine Brand- und eine Körperbestattung. Obwohl die Gräber zum Teil bereits kurz nach der Beisetzung ausgeraubt wurden, fanden sich dennoch zahlreiche Waffen-, Schmuck- und Gefäßbeigaben.
Nur geringfügig jünger sind die Reste eines Prestige- oder Kultbaues aus Holz, der unmittelbar neben den Grabhügeln errichtet wurde. Etwa aus derselben Zeit stammt auch eine im Gebiet des heutigen Kärnten geprägte Silbermünze.
Am Ende des 9. Jahrhunderts n. Chr. zogen sich die Einwohner nach der Zerstörung ihrer Siedlung in das Areal des heutige Zentrums von Wöllersdorf zurück und errichteten dort ein neues Dorf.
Sämtliche Fundgegenstände befinden sich im Eigentum der Marktgemeinde. 2008 wurde das Museum - "Das Dorf des Welan" - im renovierten Schlössl in zwei Schauräumen eingerichtet und 2012 im einen dritten Raum erweitert.
Die Museumserweiterung wurde notwendig, um das umfangreiche Fundmaterial der Ausgrabungen dem interessierten Publikum in einer adäquaten Form präsentieren zu können. So stammen beispielsweise allein aus den Grabungskampagnen der Jahre 2009 bis 2011 über 40 Gefäße, die in mühevoller Kleinarbeit in der Wintersaison 2011/12 restauriert wurden.![Raum 1 Siedlung Web.JPG]()
Durch die zahlreichen in den letzten Jahren hinzugekommenen, ausstellungswürdigen Objekte war neben der Erweiterung auch eine Umstrukturierung der schon seit 2009 bestehenden Ausstellungsräume unumgänglich. In beiden Schauräumen sind im Wesentlichen die Funde der Steinzeit- und Frühmittelaltersiedlung und des keltischen Friedhofes ausgestellt. Zwei Modelle veranschaulichen einerseits die Siedlungsweise des 5. vorchristlichen Jahrtausends durch den maßstabsgetreuen Nachbau eines Steinzeithauses, andererseits den Grabbrauch im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. durch den Versuch einer Rekonstruktion der längst eingeebneten keltischen Grabhügel.
Die keltische Kultstelle mit Steinstele und mitbestatteten Männern wurde detailgetreu wieder aufgebaut und in einer begehbaren Vitrine in dem eigens dafür vorgesehenen Schauraum dem Besucher zugänglich gemacht.
Die Gestaltung des dritten Raumes verfolgt ein innovatives Museumskonzept. Der Raum soll einerseits der ständigen Schausammlung als Ausstellungsort dienen. Hier werden vornehmlich die Beigaben und Urnen der überregional bedeutenden, steinzeitlichen Gräber, sowie Siedlungs- und Schatzfunde derselben Epoche und der nachfolgenden Bronze- und Eisenzeit gezeigt.
Andererseits kann und soll der Raum für gepflegte Veranstaltungen wie etwa das Kulturcafé, die bewährte Gesundheitsmesse, Lesungen oder Vernissagen etc. verwendet und durchaus auch von Vereinen angemietet werden.
In diesem Sinne soll das Museum beweglich bleiben, das bedeutet, es soll weiterhin adaptierfähig sein, da umfangreiche Funde aus der 2007 ausgegrabenen Steinzeitgrube noch weitgehend unrestauriert im Museumsdepot liegen. Außerdem werden die Ausgrabungen 2012 fortgesetzt, sodass durchaus noch mit sehr schönen Funden zu rechnen ist.
Öffnungszeiten des Museums |
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nach telefonischer Voranmeldung am Gemeindeamt | 02633 / 43 000 |
Adresse |
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Staudiglgasse 4-6, 2752 Wöllersdorf |
ZUR FOTOGALERIE:
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